Darf man den Willen des Verstorbenen missachten?

Rosen am Wasser

Darf man den Willen des Verstorbenen missachten?

Er wollte keine Trauerfeier. Sie hat für ihn eine organisiert. Darf man das?

Er mochte es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Das wusste seine Frau seit Jahrzehnten. Und trotzdem – oder gerade deswegen – hörte sie auf ihre Töchter und liess eine Trauerfeier organisieren.

Danach schrieb sie mir:

«Die Trauerfeier und deine Rede hätten nicht tröstender und besser sein können. Du hast uns aus dem Herzen gesprochen. Ich habe gemerkt, wie wichtig Abschiednehmen ist – und wie es mich traurig, aber gleichzeitig auch irgendwie ‘leichter’ macht. Es hätte auch meinem Mann entsprochen.»

Abschiednehmen ist für diejenigen, die zurückbleiben wichtig

Was mich an dieser Rückmeldung immer wieder berührt: E. hatte Angst, den Willen ihres Mannes zu missachten. Sie wollte ihn respektieren – aus Liebe. Und gleichzeitig hat sie am Ende etwas gespürt, das sie nicht erwartet hatte: Erleichterung, dass sie so entschieden hat.

Denn Abschiednehmen ist wichtig für die, die bleiben.

Eine Trauerfeier, ein Ritual, ein Moment des gemeinsamen Innehaltens – das alles hilft den Hinterbliebenen, das Unbegreifliche zu fassen. Den Verlust einen Ort zu geben. Zusammen zu trauern, anstatt jede und jeder allein.

Das bedeutet nicht, dass der Wille des Verstorbenen egal ist. Weit gefehlt. Aber es bedeutet: Dieser Wille hat manchmal Lücken – weil niemand weiss, wie es zurückzubleiben.

Was das für dich bedeutet

Stell dir vor, du könntest deinen Angehörigen dieses Dilemma ersparen.

Nicht indem du ihnen alles vorschreibst. Sondern indem du mit ihnen sprichst. Über das, was dir wichtig ist. Über das, was du dir wünschst – und vielleicht auch über das, was du dir nicht wünschst, aber bereit bist loszulassen, wenn es für die anderen hilfreich ist.

Das ist kein makabres Thema, es ist eher ein Liebesakt.

E.s Tochter wusste: Ihre Mutter braucht einen Abschied. Sie hat ihn ihr ermöglicht – trotz allem. Und am Ende war es auch für den Witwer das Richtige, auch wenn er es vorher nicht glaubte.

Solche Gespräche sind möglich. Auch in deiner Familie. Auch mit deinen nächsten Menschen.

Und jetzt?

Wenn du merkst, dass dich dieses Thema interessiert, dann ist das kein Zufall.

Ich begleite Menschen dabei, genau diese Gespräche zu führen: über Wünsche, über Vorsorge, über das, was bleibt.

Bald gibt’s einen Online-Kurs in dem ich Schritt für Schritt zeige, wie du solche Gespräche vorbereiten, eröffnen und führen kannst – ohne Druck, ohne Drama.

Mehr dazu findest du hier: www.scheurer-abschiedsfeiern.ch

Über mich

Ich bin Rita Scheurer, Trauerrednerin in Bern und Umgebung und Rednerin mit Kopf, Herz, Hand und Humor. Ich begleite Menschen in schönen und schweren Momenten dabei, Worte für das Unaussprechliche zu finden – mit einfühlsamen Abschiedsfeiern, Pensionierungsreden und persönlichen Lebensgeschichten. Mein Anliegen ist es, Erinnerungen lebendig zu halten und stimmige Feiern zu gestalten. Sei dies Willkommens-, Abschiedsfeiern oder freien Trauungen.
Möchten Sie Ihre persönlich Lebensgeschichte dokumentieren?
Dann nehmen Sie mit mir Kontakt auf. Ich beantworte Ihre E-Mail auf jeden Fall.

Beitragsbild: Barbara Schärer