Rituale sind wichtig, wir kennen sie seit längst vergangenen Zeiten.
Rituale helfen uns, Gefühle auszudrücken, wenn Worte fehlen. Sie geben Halt, Struktur und Raum für Erinnerungen.
1. Die Lebenslichter
Für jedes wichtige Lebenskapitel wird eine Kerze angezündet – Familie, Freundschaft, Beruf, Herzensprojekte.

2. Kerzen anzünden
Die meisten Menschen fühlen sich wohler, wenn sie selbst etwas tun können. Ein Beispiel ist, zu Beginn einer Trauerfeier eine Kerze anzuzünden, einen Moment vor der Sand- oder Wasserschale zu verweilen und die Kerze hineinzulegen. Dieser Moment hat für mich immer wieder etwas Magisches. Das Licht der Kerze, ihre Wärme und ihr Symbol – wir zünden jetzt für dich, wo auch immer du bist, hier eine Kerze an.

3. Erinnerungssteine beschriften
Eine schöne Möglichkeit für Kinder. Steine für ihre Oma, Opa oder Eltern zu beschriften und mit ins Grab zu geben.
4. Musik, die Geschichte schrieb
Musik erreicht uns dort, wo Worte nicht mehr hinreichen.
Sie trägt Erinnerungen, weckt Bilder und verbindet Herzen.
Neulich führte ich eine Abschiedsfeier für eine Frau durch, die mit ihrem Mann mehrmals an Konzerten von Eric Clapton war. Mit Musik und Texten aus den Songs führte ich durch die Feier. In der zweiten Reihe sass der Freund des Witwers, er hatte die beiden oft zu Konzerten begleitet. Er sang tonlos mit, als das Lied „Tears in Heaven“ lief.
Weitere Lieder die passen:
Frank Sinatra – My way
Patent Ochsner – Für immer uf di
Heimweh – In Erinnerig
Andrea Bocelli & Sarah Brightman – Time to Say Goodbye
5. Abschlussritual mit Blumen
Jede Person legt eine Blume nieder. Je nachdem, ob die Feier in der Kapelle oder am Grab stattfindet. Es ist auch ein schönes Ritual, Rosenblüten mit ins Grab zu geben.

6. Ein Brief an die verstorbene Person
Tochter und Mutter hatten eine sehr innige Beziehung. Als die Mutter starb, erklärte mir A., die 45-jährige Tochter, dass sie einen Brief an ihre Mutter vorlesen werde. In dem Brief beschrieb sie Anekdoten und vieles, was den Angehörigen unbekannt war. Während des Vorlesens musste sie bei einer lustigen Erinnerung an ihre Mutter lachen. Sie entschuldigte sich dafür. Der Brief verlieh der Feier einen sehr persönlichen Rahmen, und Familie und Bekannte schmunzelten im Publikum.
Als Trauerrednerin biete ich an, im Hintergrund zu bleiben und weiterzulesen, wenn die Emotionen überhandnehmen.
7. Erinnerungsgegenstände aufstellen
Ein kleiner Tisch, der mit Fotos, Alltagsgegenständen oder persönlichen Symbolen geschmückt ist, macht das Leben der Verstorbenen sichtbar. Einmal brachten die Angehörigen einen uralten Rucksack mit, der die Verstorbene über 40 Jahre lang auf all ihren Reisen begleitet hatte.
Er wurde neben ihrem Bild in der Kapelle aufgestellt.
8. Ein gemeinsamer Moment der Stille
Bei der Trauerfeier für Diccon Bewes hatten sich sein Partner, seine Freunde und seine langjährigen Arbeitskolleg.innen vorbereitet. Sie alle hatten Briefe über das Leben mit ihm geschrieben. Die Briefe lasen sie zum Teil selber vor und zum Teil durfte ich sie vorlesen. Dazwischen wünschte sich sein Partner Momente der Stille.
Ich leitete die Stille ein.
Diese Momente waren so bewegt und so wohltuend – erst da erkannte ich was mit dem Spruch: „In der Stille liegt dir Kraft,“ gemeint ist.
9. Der Handschmeichler
Oft gebe ich den Angehörigen ein kleines Steinherz oder einen Stein mit.
Als die Frau starb, die direkt an der Aare wohnte, sammelte ich unterschiedliche Steine. Farbige, geschliffene, kantige, grössere und kleinere. Während der Trauerfeier reichte ich einen Korb mit den Steinen herum und alle durften einen auswählen. „Es sind unterschiedliche Steine. Kleine und grosse, kantige und geschliffene – genauso wie wir Menschen es auch sind. Wählen Sie einen, der zu Ihnen passt.“ Vielleicht passt der Handschmeichler in die Manteltasche. Wenn man dann irgendwann nicht mehr daran denkt und in die Manteltasche greift, erinnert der Stein an die Abschiedsfeier.
10. Duft der Erinnerung
Der Verstorbene Mann – Stiefvater von drei Töchtern – kochte das Weltbeste Curry. So füllte ich kleine Säckchen mit Currypulver ab und alle konnten sich bedienen.
11. Gemeinsam Singen
Es gibt Lieder, die jeder kennt. Ein Beispiel ist „Dona Nobis Pacem”. Als die Mutter einer Bekannten starb, führte ihr Bruder diesen wunderbaren Kanon ein. Die volle Kapelle sang mit und hatte den Text vor sich liegen. Das gelang, weil es ein sehr bekanntes Lied ist und die Anleitung sehr gut war.
12. Luftballon steigen lassen
Der Vater des 7-jährigen Jungen war gestorben. Drei seiner besten Freund kamen an die Urnenbeisetzung. Die Angehörigen hatten blaue Luftballons organisiert, die die Kinder am Ende loslassen durften. Sei stiegen langsam in den Himmel.
13. Lindorkugeln
Die Mutter und mehrfache Grossmutter verteilten an Weihnachten immer Lindor Kugeln. Und zwar nicht einfach irgendwelche. Sie wusste genau, wer helle oder dunkle bevorzugt. Als sie starb, verteilten wir am Ende der Trauerfeier als Überraschung Lindor-Kugeln. Alle konnten ihre „Lieblings-Lindor Kugeln” auswählen. Diese kleine Überraschung zauberte bei allen ein Lächeln auf die Gesichter.

14. Farbige Herzen
Als D. unter tragischen Umständen ums Leben kam, waren seine Kollegen und Kolleginnen alle in ihren Arbeitskleidern an der Trauerfeier. Während der Rede liess ich in kleinen Schachteln orange Herzen aus festem Papier zirkulieren.
Am Ende kamen ein paar Gäste zu mir und fragten, ob ich noch ein paar Herzen hätte – sie hätten in der hintersten Reihe keines mehr erhalten.
Ich hatte nicht mit 200 Gästen gerechnet. Zum Glück hatte ich genügend Herzen dabei.

15. Eine Zeichnung für Opa oder Oma
Wenn Kinder ihre schönste Zeichnung mit ins Grab geben, zeigt dies ihre grosse Verbundenheit. Es tröstet auch, wenn man etwas Schönes beitragen kann.

16. Das Erinnerungsglas
Gedanken, Anekdoten und Gefühle werden auf farbige Herzen geschrieben und in ein Glas gelegt, das später an besonderen Tagen geöffnet wird. Die Mutter einer Frau, die sehr früh starb, nahm dieses Glas nach der Trauerfeier mit nach Hause. Sie wollte die Wünsche und Gedanken später an einem schönen Ort verbrennen. Sie behielt das Glas sehr lange bei sich und fand dadurch Trost.

17 Holz oder Papier ins Feuer legen
Ein kleines beschriftetes Holzstück oder ein Wunsch auf einem Papier ins Feuer geben. Gerade im Winter ist dieses Ritual besonders schön. Bei einer Trauerfeier hatte der Sohn des Verstorbenen dünne Herzen aus Holz ausgestanzt. Alle konnten etwas auf die Herzen schreiben und sie in die Feuerschale legen.
18 Das Trauergespräch
Die Trauer nach einer Trennung oder dem Verlust eines wichtigen Menschen ist oft gross. Es kann helfen, mit einer neutralen Person über die Trauer zu sprechen.
Bekannte können hilfreich sein. Doch nicht selten möchten sie einem um alles in der Welt wieder glücklich sehen.
In einem professionellen Trauergespräch sollen alle Gefühle ihren Platz haben.
Sie können gerne mit mir Kontakt aufnehmen. Das professionelle Trauergespräch kann auch bei einem Spaziergang stattfinden.
19. Gemeinsam ans Grab
Es kann sehr belastend sein, nach der Trauerfeier zum ersten Mal das Grab zu besuchen. Lassen Sie sich begleiten von Bekannten oder von mir.
20. Das Lichtritual
Auch eine schwierige Trennung kann schmerzhaft sein. Mit diesem Lichtritual nimmt man sich Zeit um zurückzublicken.
Zünde eine Kerze an – an sieben aufeinanderfolgenden Abenden. Nimm dir jeweils 10 Minuten Zeit. Sprich laut oder in Gedanken:
- Was war schön?
- Wofür bin ich dankbar?
- Was darf jetzt gehen?
Am letzten Abend: Blase die Kerze bewusst aus mit einem klaren inneren Satz wie:
„Ich lasse dich in Frieden ziehen.“
Über mich

Ich bin Rita Scheurer, Trauerrednerin und Rednerin mit Kopf, Herz, Hand und Humor. Ich begleite Menschen in schönen und schweren Momenten dabei, Worte für das Unaussprechliche zu finden – mit einfühlsamen Abschiedsfeiern, Pensionierungsreden und persönlichen Lebensgeschichten. Mein Anliegen ist es, Erinnerungen lebendig zu halten und stimmige Feiern zu gestalten. Sei dies Willkommens-, Abschiedsfeiern oder freien Trauungen.
Möchten Sie Ihre persönlich Lebensgeschichte dokumentieren?
Dann nehmen Sie mit mir Kontakt auf. Ich beantworte Ihre E-Mail auf jeden Fall.

Ein Kommentar zu “20 Abschiedsrituale, die Trost schenken”
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