Ein Lächeln wirkt wie ein kleines Wunder

Diese Untersuchung ist mir ziemlich zuwieder.

Doch als gewissenhafter Mensch lasse ich mich regelmässig zur Vorsorgeuntersuchung aufbieten.

Also setzte ich mich auf mein Velo und fahre durch die Altstadt von Bern zur angegebenen Adresse. Ein bisschen missmutig öffne ich zuerst die falsche Tür.

Offensichtlich sieht man mir an, was ich suche. «Hier sind sie nicht am richtigen Ort,» sagt der freundliche Mann. «Die Nummer 45 ist eine Türe weiter.»

Dann trete ich bei der richtigen Hausnummer 45 ein und denke: «Bringen wirs hinter uns.»

Ich bin überrascht.

Die freundliche Frau am Empfang steht auf. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor. Sie lächelt mich an und sagt: «Hallo Rita, herzlich willkommen.»
Mein Missmut ist vergangen – ich kenne die Frau, die die Untersuchung macht.
Mit ihrem freundlichen Lächeln macht sie heute meinen Tag um vieles besser.

Was ein ehrliches Lächeln alles bewirken kann.

Lächeln macht gesund

Forscherinnen der University of Kansas konnten zeigen, dass schon ein einfaches Lächeln Stress abbaut. In ihrer Studie mussten Teilnehmende eine unangenehme Aufgabe erledigen – wer dabei lächelte, erholte sich schneller vom Stress (Kraft & Pressman, 2012).
Ich finde diesen Gedanken tröstlich: dass wir uns mit einer so kleinen Geste selbst ein Stück Wohlbefinden schenken können.

Was unsere Gesichtsmuskeln können

Bis zu 17 Muskeln arbeiten zusammen, wenn wir lächeln. Am schönsten finde ich das sogenannte «Duchenne-Lächeln», bei dem nicht nur die Mundwinkel, sondern auch die Augen lachen. Der Psychologe Paul Ekman hat gezeigt, dass Menschen dieses Lächeln sofort von einem Höflichkeitslächeln unterscheiden können – und dass es ehrlicher wirkt.

Kinder als Lehrmeister

Kinder lächeln bis zu 400-mal am Tag – Erwachsene oft nur zwanzig Mal. Diese Zahlen stammen aus Beobachtungsstudien zur frühkindlichen Entwicklung. Babys beginnen schon in den ersten Lebenswochen, ihre Bezugspersonen anzulächeln, und lösen damit bei uns Freude aus. Vielleicht sollten wir uns von dieser Leichtigkeit etwas zurückholen.

Warum Lächeln ansteckend ist

Ein Lächeln breitet sich wie ein kleiner Funke aus. Dafür sorgen sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn – Nervenzellen, die uns automatisch das Verhalten anderer nachahmen lassen. Schon beim Anblick eines Lächelns werden in uns dieselben Regionen aktiv wie beim eigenen Lächeln.

Das Lächeln der Mona Lisa

Seit Jahrhunderten rätseln Menschen über das geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa. Neurowissenschaftlerin Margaret Livingstone hat gezeigt, dass wir es unterschiedlich wahrnehmen, je nachdem, in welcher Art wie wir es ansehen. Deshalb wirkt es mal deutlich, mal flüchtig – und fasziniert uns bis heute.

Emojis – das digitale Lächeln

Wir verschicken täglich lachende Emojis 😊, um unsere Gefühle zu zeigen. Sie sind eine moderne Form des Lächelns – praktisch, wenn wir uns nicht sehen können. Doch auch Forscher weisen darauf hin: Emojis helfen beim Verstehen in Chats, ersetzen aber nicht die Tiefe eines echten Lächelns.

Das innere Lächeln

In manchen Meditationstraditionen wird das «innere Lächeln» geübt: Man stellt sich vor, sein Herz, seine Organe oder seinen ganzen Körper mit einem Lächeln zu beschenken. Studien zur Achtsamkeitspraxis zeigen, dass solche Übungen Stress senken und Wohlbefinden steigern können.

Vertrauen durch ein Lächeln

Es gibt viele Wege, Vertrauen aufzubauen – einer der einfachsten ist ein ehrliches Lächeln. In Experimenten zeigte sich, dass Menschen lächelnden Partnern in Spielen eher vertrauten und sogar bereit waren, mehr zu investieren.
Weitere Wege sind in meinem Freebie beschrieben – siehe weiter unten.

Abschliessende Gedanken

Ein Lächeln nimmt niemandem die Trauer, und es löst keine Probleme. Aber es sagt: Du bist nicht allein.
Vielleicht ist das die grösste Kraft des Lächelns – dass es Brücken baut, wo Worte fehlen.

Vertrauen aufbauen

Im Freebie als Geschenk
5 Wege, wie du sofort echtes Vertrauen aufbaust – mit Menschen, die dir wirklich wichtig sind
erfährst du was es ausser Lächeln noch braucht, um schnell Vertrauen aufzubauen.

Quellen:
Lächeln macht gesund
👉 Quelle: Kraft, T.L., & Pressman, S.D. (2012). Grin and bear it: The influence of manipulated facial expression on the stress response. Psychological Science, 23(11), 1372–1378.
Was unsere Gesichtsmuskeln können
Quelle: Ekman, P., Davidson, R.J., & Friesen, W.V. (1990). The Duchenne smile: Emotional expression and brain physiology II. Journal of Personality and Social Psychology, 58(2), 342–353.
Kinder als Lehrmeister
👉 Quelle: Reddy, V. (2008). How infants know minds. Harvard University Press.
Warum Lächeln ansteckend ist
👉 Quelle: Iacoboni, M. (2009). Mirroring people: The new science of how we connect with others. Picador.
Das Lächeln der Mona Lisa
👉 Quelle: Livingstone, M.S. (2000). Is it warm? Is it real? Or just low spatial frequency? Science, 290(5495), 1299.

Bild Beat Mathys Bern